Schweiz: BFU warnt Autofahrer zum Schulanfang vor dem inneren „Autopiloten“
Zum Schulanfang sind wieder viele Kinder im Strassenverkehr unterwegs. Die meisten Autofahrer wissen, dass sie in ihrer Nähe besonders vorsichtig sein müssen – handeln im Alltag aber nicht immer danach. Die Fahrroutine lässt Aufmerksamkeit und Bremsbereitschaft sinken.
Diese Lücke zwischen Wissen und Verhalten kann für Schulkinder gefährlich werden. Die BFU empfiehlt deshalb einfache Wenn-dann-Vorsätze, um den inneren „Autopiloten“ bewusst zu durchbrechen.
Zum Schulstart sind viele Kinder neu oder zum ersten Mal allein auf dem Schulweg unterwegs. Zur gleichen Zeit machen sich auch viele Erwachsene auf den Weg zur Arbeit – mit dem Kopf oft schon bei den Aufgaben des Tages. Der Arbeitsweg ist vertraut, das Fahren Routine.
Genau hier kann die Lücke zwischen Wissen und Verhalten gefährlich werden: Autofahrer wissen zwar, dass sie in der Nähe von Kindern besonders vorsichtig fahren müssen. Im Alltag, unter Zeitdruck und mit Fahrroutine handeln viele jedoch nicht immer entsprechend diesem Wissen. Es gibt eine Lücke zwischen dem, was man weiss, und dem, was man tut.
„Niemand möchte ein Kind gefährden. Trotzdem kommt es vor, dass man in Gedanken woanders ist und nicht rechtzeitig bremsen kann“, sagt Andrea Uhr, wissenschaftliche Mitarbeiterin der BFU zum Thema Schulwegsicherheit. „Ein wichtiger Faktor hierfür ist das gewohnheitsmässige Fahren auf dem inneren ‚Autopiloten‘.“
Warum diese Lücke gerade zur Schulwegzeit gefährlich ist
Kinder sind deshalb darauf angewiesen, dass Erwachsene vorsichtig fahren und Sicherheitsreserven einplanen. Denn Schulkinder können Verkehrssituationen noch nicht so gut einschätzen wie Erwachsene. Distanzen und Geschwindigkeiten zuverlässig einzuschätzen, Geräusche zu orten oder mehrere Gefahren gleichzeitig wahrzunehmen, fällt ihnen altersbedingt noch schwer.
Wie ernst dieses Risiko ist, zeigen die Unfallzahlen: Jedes Jahr verunfallen im Schweizer Strassenverkehr über 700 Kinder bis 14 Jahre zu Fuss, mit dem Trottinett oder dem Velo. Rund 40 % dieser Unfälle passieren auf dem Schulweg.
Mit Wenn-dann-Vorsätzen die Lücke schliessen
Wissen allein genügt nicht, um eingespielte Fahrgewohnheiten zu durchbrechen. Aus der Verhaltenspsychologie ist bekannt, dass sogenannte Wenn-dann-Vorsätze helfen, Routinen gezielt zu durchbrechen. Wer konkrete Situationen in Gedanken immer wieder durchspielt, reagiert im Alltag häufiger richtig:
- Wenn ich Kinder am Strassenrand sehe, dann fahre ich langsamer und bin bremsbereit.
- Wenn ein Kind über den Fussgängerstreifen gehen möchte, dann halte ich ganz an.
- Wenn ich eine Schule oder einen Kindergarten passiere, dann rechne ich immer damit, dass Kinder unvermittelt hinter Sichthindernissen auf die Strasse treten könnten.
- Wenn ein Kind in meiner Nähe auf dem Velo unterwegs ist, dann halte ich grosszügig Abstand.
Solche Vorsätze helfen dabei, den inneren „Autopiloten“ auszuschalten und die Aufmerksamkeit auch auf vertrauten Strecken hochzuhalten. Gerade zum Schulstart können sie entscheidend dazu beitragen, Kinder auf ihrem Schulweg besser zu schützen.
Sie wirken aber auch darüber hinaus – immer dann, wenn Routine die Aufmerksamkeit beeinträchtigen kann.
Strukturelle Massnahmen erhöhen die Sicherheit
Sensibilisierungsaktionen für Autofahrer sind ein wichtiger Baustein für den Schutz von Kindern im Strassenverkehr. Noch wirksamer sind jedoch strukturelle Massnahmen: zum Beispiel sicherheitsorientierte Geschwindigkeitsregimes innerorts, eine selbsterklärende und fehlerverzeihende Infrastruktur, die Beseitigung von Sichthindernissen sowie die regelmässige Überprüfung von Querungsstellen.
Quelle: Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU)
Bildquelle: Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU)
